Religion, Reformation und Erleuchtung




Religion, Reformation und Erleuchtung

Beitragvon 0kay » Do 1. Nov 2018, 15:08

Erleuchtung hat nach christlicher Lehrmeinung keinen besonderen Stellenwert, trotzdem gab es auch dort herausragende Persönlichkeiten, denen Erleuchtung und dem entsprechende Erfahrungen nachgesagt werden könnten.

Manche glauben, Jesus von Nazareth sei körperlich als Sohn Gottes geboren, wobei Gott, Jesus und andere Menschen als separate Personen vorausgesetzt werden. Andere glauben, er sei ein Mensch wie alle, jedoch mit besonderen medialen Fähigkeiten gewesen, vielleicht besonders herausragend erleuchtet.

Jesus wird die Aussage zugeschrieben, die Aufnahme oder Hingabe der Gläubigen in Gott - Alles sei das Ziel seiner Mission.
Das könnte als Aufforderung interpretiert werden, Erleuchtung anzustreben und weiter zu geben.

Der Kirchenvater Augustinus hatte um das Jahr 400 über christliche Mystik und Erleuchtung geschrieben, über den inneren Lehrer, der das Wort Gottes in eigener Erfahrung erleben läßt.

Meister Eckhart studierte um 1280 Theologie in Köln, überarbeitete später in Paris kirchliche Lehrbücher und war danach Klostervorsteher. Er hatte durch seine Erleuchtung kirchliche Lehren zum Teil abweichend von der damals aktuellen Lehrmeinung verstanden und das Erlebte schriftlich und in Predigten verbreitet. Dabei hatte er versucht, auch Ungebildeten Zugang zu Selbsterfahrung im Sein und des gemeinsamen, göttlichen Ursprungs zu ermöglichen.

Der Reformator Martin Luther hatte um 1517 ähnliche Erfahrungen: Er sah sich als menschliche Seele mit Gott verheiratet und glaubte an das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Sein Brief an den Papst "Von der Freiheit eines Christenmenschen" führte zum Bruch mit der Kirche. Da war seine Aussage, seine Gewißheit, "in den Worten Gottes gefangen" zu sein, "unmöglich, etwas gegen das Gewissen zu tun".
Luther forderte in seinen Thesen die Abkehr von einigen kirchlichen Praktiken, insbesondere der bisherige kirchliche Handel mit Vergebung in Form von bezahlten "Ablaßbriefen" für Verbrechen und moralische Verfehlungen sollte seiner Ansicht nach aufgegeben werden.
Die von Luther geforderte Reformation setzte ein.
(Soweit mein Text vom vergangenen Jahr, den ich hier schon an anderer Stelle veröffentlicht hatte)


Vergebung im weltlichen Sinne hat oft mit Verzicht auf Entschädigung für Schmerz, Verlust und ungeplante Veränderungen zu tun.

Aus kirchlicher Sicht soll der Gläubige darüber hinaus eher passiv um Vergebung durch Gott bitten für Dinge, die als Beurteilungen das Attribut "schlecht" oder "schmerzhaft" tragen.

Aus der Sicht erwacht/Erleuchtung sieht es, je nach Zustand, eher so aus, daß es keines Handelnden bedarf.
Das heißt, daß dort lediglich ein (vielleicht intensives) Erkennen von "nicht-belastet-Sein" und tiefem Frieden stattfindet.

Gedankliche Komplexe werden als das erkannt, was sie sind: Nicht das, was hier-jetzt körperlich stattfindet. Auftretende Gedanken, vielleicht in Abfolge komplexer Gedankenketten, treten eher nebenbei auf, während das betrachtet wird was gerade passiert.
Durchgehend geöffnet
Benutzeravatar
0kay
 
Beiträge: 619
Registriert: Di 18. Aug 2015, 17:41

von Anzeige » Do 1. Nov 2018, 15:08

Anzeige
 


Ähnliche Beiträge


TAGS

Zurück zu Religion und Erleuchtung

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron